Auf die Kanaren auszuwandern klingt für viele zunächst nach Sonne, Meer und einem günstigeren Leben. Wer dauerhaft auf Teneriffa, Gran Canaria oder einer der anderen Inseln leben möchte, sollte die Entscheidung aber nicht allein anhand des Wetters oder der Urlaubserfahrungen treffen.
Wir leben selbst auf den Kanaren und würden heute nicht behaupten, dass hier grundsätzlich alles billiger oder einfacher wäre als in Deutschland. Gerade die Wohnkosten sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Auch die Gehälter liegen häufig unter dem deutschen Niveau.
Die Gründe, warum wir gerne auf den Kanaren leben, liegen inzwischen an anderer Stelle: das Klima, das Lebensgefühl, der Alltag und vor allem die Menschen.
Gleichzeitig funktioniert ein dauerhafter Umzug anders als ein längerer Urlaub. NIE, Anmeldung bei der Gemeinde, EU-Registrierung, Krankenversicherung, Wohnung, Bankkonto und gegebenenfalls Arbeit oder Selbstständigkeit müssen organisiert werden.
Dieser Ratgeber gibt einen Überblick darüber, was Auswanderer auf den Kanaren erwartet, welche Formalitäten wichtig sind und welche Erfahrungen wir selbst mit dem Leben auf Teneriffa gemacht haben.
Warum auf die Kanaren auswandern?
Wer die Kanaren nur aus dem Urlaub kennt, verbindet die Inseln wahrscheinlich zuerst mit Strand, Hotels und gutem Wetter.
Das ist ein Teil der Realität, aber nicht der wichtigste Unterschied, wenn man dauerhaft hier lebt.
Für uns fühlt sich das Leben auf den Kanaren insgesamt entspannter an.
Vieles findet draußen statt. Man kann sich über große Teile des Jahres im Freien aufhalten, trifft Menschen in Cafés und Bars und verbringt weniger Zeit damit, auf die nächste Schönwetterperiode zu warten.
Mit der Zeit werden aber andere Dinge wichtiger als Sonne und Strand.
Man kennt seine Nachbarschaft, entdeckt kleinere Orte, hat seine bevorzugten Geschäfte und Restaurants und kommt mit Menschen ins Gespräch, die mit dem Tourismus wenig zu tun haben.
Genau dort beginnt für uns das tatsächliche Leben auf den Kanaren.
Das Klima ist ein starkes Argument – aber nicht überall gleich
Das kanarische Klima gehört zweifellos zu den wichtigsten Gründen, warum Menschen auf die Inseln ziehen.
Allerdings sollte man nicht von „dem Wetter auf den Kanaren“ sprechen.
Schon auf einer einzigen Insel können die Unterschiede erheblich sein.
Norden und Süden können sich deutlich unterscheiden
Teneriffa ist dafür ein gutes Beispiel.
Die offiziellen Klimadaten zeigen deutliche Unterschiede zwischen dem Norden und Süden der Insel. Auch Höhenlage, Passatwolken und die jeweilige Seite einer Insel spielen eine Rolle.
Wer im Urlaub ausschließlich den sonnigen Süden Teneriffas erlebt hat, sollte deshalb nicht automatisch davon ausgehen, dass sich jeder Wohnort auf der Insel klimatisch genauso anfühlt.
Das gilt auch für die anderen Kanarischen Inseln. Küstenlage, Höhenlage und lokale Mikroklimata können bei der Wahl des Wohnortes entscheidend sein.
Den zukünftigen Wohnort vorher länger ausprobieren
Wer die Möglichkeit hat, sollte deshalb nicht direkt nach einem zweiwöchigen Urlaub eine Immobilie kaufen oder einen langfristigen Mietvertrag unterschreiben.
Ein Ort, der im Urlaub perfekt erscheint, kann sich im Alltag anders anfühlen.
Wir würden eine Gegend möglichst zu verschiedenen Jahreszeiten erleben und dabei nicht nur auf das Wetter achten. Einkaufsmöglichkeiten, Verkehr, Parkplätze, Ärzte, Internet, Entfernung zu Behörden und der tatsächliche Alltag sind mindestens genauso wichtig.
Unsere Erfahrung: Das Leben ist entspannter
Das ist schwer in einer Statistik auszudrücken, gehört für uns aber zu den wichtigsten Unterschieden.
Wir empfinden das Leben auf den Kanaren als entspannter.
Das bedeutet nicht, dass es keine Termine, Arbeit, Rechnungen oder Probleme gibt. Wer auf Teneriffa lebt, führt schließlich keinen Dauerurlaub.
Aber das Klima und die Art, wie sich ein Teil des sozialen Lebens draußen abspielt, verändern den Alltag.
Ein Kaffee zwischendurch, ein Gespräch vor einem Geschäft oder ein Treffen in einer kleinen Bar gehören für uns selbstverständlich dazu.
Diese kleinen Dinge sind ein Teil der Lebensqualität, die sich nur schwer anhand einer Tabelle mit Lebenshaltungskosten bewerten lässt.
Sind die Kanaren günstiger als Deutschland?
Darauf würden wir heute nicht mehr pauschal mit Ja antworten.
Einige Dinge erleben wir weiterhin als günstiger. Andere Preise haben stark angezogen.
Wer ausschließlich deshalb auf die Kanaren ziehen möchte, weil er erwartet, dort mit sehr wenig Geld leben zu können, sollte seine Rechnung vorher genau machen.
Lebensmittel sind nicht automatisch billiger
Bei normalen Lebensmitteln empfinden wir die Unterschiede zu Deutschland inzwischen nicht mehr als besonders groß.
Das hängt natürlich davon ab, was und wo man einkauft.
Auf einer Insel müssen zudem viele Waren transportiert werden. Der niedrigere kanarische Verbrauchsteuersatz führt deshalb nicht automatisch dazu, dass jedes Produkt günstiger als auf dem spanischen Festland oder in Deutschland ist.
Fruterías und lokale Geschäfte nutzen
Gerade bei Obst und Gemüse lohnt es sich nach unserer Erfahrung, nicht ausschließlich in großen Supermärkten einzukaufen.
Wir nutzen gerne Fruterías. Dort finden wir häufig günstigere Angebote und viele lokale oder regionale Produkte.
Auch kleinere Geschäfte und Märkte sollte man ausprobieren.
Wer dauerhaft auf den Inseln lebt, entwickelt mit der Zeit ohnehin seine eigenen Einkaufswege und weiß irgendwann, welches Geschäft sich für welche Produkte lohnt.
Ein Cortado für rund einen Euro gehört noch zum Alltag
Es gibt durchaus Bereiche, in denen wir den Preisunterschied zu Deutschland noch deutlich wahrnehmen.
Ein kleines Alltagsbeispiel ist der Cortado.
Je nach Lokal bekommen wir ihn noch für ungefähr 1 bis 1,20 Euro. Natürlich kostet ein Kaffee nicht überall auf den Kanaren genau diesen Betrag. In touristischen Spitzenlagen kann er deutlich teurer sein.
Aber solche Preise findet man weiterhin, insbesondere wenn man nicht ausschließlich dort unterwegs ist, wo sich die meisten Urlauber aufhalten.
Essen gehen erleben wir häufig als günstiger
Auch Restaurant- und Barbesuche empfinden wir häufig als günstiger als in Deutschland.
Besonders interessant wird es, wenn man die touristischen Zentren verlässt.
In kleineren Orten und Dörfern haben wir Essen und Getränke teilweise erheblich günstiger erlebt als in bekannten Ferienorten.
Das ist keine Garantie dafür, dass jedes Restaurant im Dorf billig ist. Aber es lohnt sich, die touristischen Hauptstraßen zu verlassen.
Die Wohnkosten sind inzwischen einer der schwierigsten Punkte
Wer heute auf die Kanaren auswandert, sollte die Wohnungssuche nicht unterschätzen.
Die Immobilienpreise sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Auch die offiziellen Statistiken zeigen weiterhin starke Preissteigerungen.
Das betrifft sowohl Käufer als auch Mieter.
Unsere Erfahrung mit den Mieten auf Teneriffa
Vor einigen Jahren waren in touristisch geprägten Gegenden Teneriffas noch Wohnungen für ungefähr 400 bis 500 Euro monatlich zu finden.
Heute sehen wir beispielsweise in Puerto de la Cruz kaum noch vernünftige Angebote in dieser Größenordnung. Nach unserer Marktbeobachtung landet man für brauchbare Wohnungen schnell bei ungefähr 700 bis 800 Euro oder darüber.
Das sind unsere persönlichen Erfahrungen und keine offizielle Durchschnittsmiete.
Sie zeigen aber, warum alte Internetartikel über ein angeblich extrem günstiges Leben auf den Kanaren mit Vorsicht gelesen werden sollten.
Außerhalb der Top-Lagen suchen
Wer flexibel ist, sollte seine Wohnungssuche nicht ausschließlich auf die bekanntesten touristischen Orte beschränken.
Schon andere Gemeinden oder kleinere Orte können eine andere Situation bieten.
Dabei muss allerdings berücksichtigt werden, wie man zur Arbeit, zum Arzt oder zu Behörden kommt. Eine günstigere Wohnung hilft wenig, wenn man anschließend für jeden Weg ein Auto benötigt und täglich große Entfernungen zurücklegt.
Wie sicher ist das Leben auf den Kanaren?
Sicherheit ist für uns persönlich ein wichtiges Argument für das Leben hier.
Wir fühlen uns auf Teneriffa auch abends auf der Straße sehr sicher. Offene Straßenkriminalität erleben wir in unserem persönlichen Alltag kaum.
Das Sicherheitsgefühl ist für uns ein echter Bestandteil der Lebensqualität.
Persönliches Sicherheitsgefühl und Statistik sind nicht dasselbe
Wir würden daraus trotzdem nicht die Behauptung ableiten, dass die Kanaren statistisch grundsätzlich sicherer als Deutschland oder das spanische Festland seien.
Die offiziellen Kriminalitätsstatistiken stützen eine solche pauschale Aussage nicht.
Außerdem umfasst die Gesamtkriminalität sehr unterschiedliche Delikte – beispielsweise Diebstahl, Betrug, Cyberkriminalität und Gewaltdelikte.
Für jemanden, der über eine Auswanderung nachdenkt, sind deshalb zwei Dinge interessant: die offiziellen Daten und das tatsächliche Sicherheitsgefühl am konkreten Wohnort.
Unser persönliches Fazit fällt dabei klar aus: Wir fühlen uns auf Teneriffa im Alltag sehr sicher.
Die Kanarios kennenzulernen verändert das Leben auf den Inseln
Für uns gehören die Menschen zu den schönsten Seiten des Lebens auf den Kanaren.
Wer sich hauptsächlich in touristischen Zentren bewegt, erlebt allerdings nur einen Teil der Gesellschaft.
Besonders gute Erfahrungen haben wir gemacht, wenn wir kleinere Orte und die Bergregionen besucht haben.
Wir erleben die Menschen dort häufig als sehr freundlich und offen. Es macht Spaß, miteinander zu sprechen und mit der Zeit Menschen wiederzutreffen.
Dafür lohnt es sich, Spanisch zu lernen
In touristischen Regionen Teneriffas kommt man teilweise erstaunlich weit mit Deutsch. Viele Menschen verstehen zumindest einige Wörter, und es gibt zahlreiche deutschsprachige Dienstleister.
Wer dauerhaft auf den Kanaren leben möchte, sollte sich darauf aber nicht verlassen.
Gerade außerhalb der touristischen Gebiete wird Spanisch wesentlich wichtiger.
Man muss nicht perfekt sprechen. Aber wer bereit ist, Spanisch zu lernen und tatsächlich zu benutzen, bekommt Zugang zu einer ganz anderen Seite der Inseln.
Welche Insel eignet sich zum Auswandern?
Die Kanaren bestehen nicht aus einer einzigen homogenen Inselwelt.
Teneriffa und Gran Canaria bieten eine große Infrastruktur und vergleichsweise breite Auswahl an Dienstleistungen und Arbeitsmöglichkeiten. Andere Inseln können ruhiger und landschaftlich völlig anders sein.
Die richtige Insel hängt deshalb stark von der persönlichen Situation ab.
Vor der Entscheidung diese Fragen beantworten
- Muss ich auf der Insel arbeiten?
- Arbeite ich im Homeoffice?
- Brauche ich regelmäßig bestimmte Ärzte oder medizinische Einrichtungen?
- Möchte ich ruhig und ländlich oder städtischer leben?
- Wie wichtig ist mir die Nähe zu einem internationalen Flughafen?
- Brauche ich ein Auto?
- Wie hoch ist mein Wohnbudget?
- Wie wichtig sind deutschsprachige Ansprechpartner?
Wer beispielsweise täglich vor Ort arbeiten muss, hat andere Anforderungen als ein Rentner oder jemand, der sein Einkommen vollständig online verdient.
Kann man auf den Kanaren Arbeit finden?
Die Vorstellung, dass es auf den Kanaren grundsätzlich keine Arbeit gebe, halten wir für zu pauschal.
Nach unserer Erfahrung kann man hier durchaus einen Job finden.
Auch die jüngsten Arbeitsmarktdaten zeigen eine positive Entwicklung. Die Zahl der registrierten Arbeitslosen ist deutlich niedriger als noch vor einigen Jahren, während die Zahl der Sozialversicherungsanmeldungen gestiegen ist.
Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder Beruf auf jeder Insel gleichermaßen gefragt ist.
Tourismus und Dienstleistungen spielen eine große Rolle
Auf den Kanaren ist der Tourismus wirtschaftlich besonders wichtig. Entsprechend gibt es viele Arbeitsplätze in Hotels, Gastronomie, Handel und anderen Dienstleistungen.
Daneben gibt es selbstverständlich zahlreiche weitere Branchen – von Handwerk und Gesundheit bis Verwaltung, Bau, Transport und digitalen Tätigkeiten.
Die Chancen hängen stark von Beruf, Qualifikation, Sprachkenntnissen und Wohnort ab.
Die Löhne sind ein wichtiger Unterschied
Wer von Deutschland auf die Kanaren zieht und vor Ort arbeiten möchte, sollte nicht nur fragen, ob er einen Arbeitsplatz findet.
Mindestens genauso wichtig ist das Gehalt.
Die offiziellen Lohnstatistiken zeigen, dass das durchschnittliche Lohnniveau auf den Kanaren unter dem spanischen Durchschnitt liegt.
Das wird besonders relevant, wenn gleichzeitig die Mieten in beliebten Wohnlagen stark gestiegen sind.
Vor einem Umzug wegen eines Arbeitsplatzes würden wir deshalb immer konkret rechnen: Nettogehalt, Miete, Fahrtkosten und sonstige Fixkosten müssen zusammenpassen.
Spanisch verbessert die Chancen auf dem Arbeitsmarkt
In touristischen Bereichen können Deutsch und Englisch ein Vorteil sein.
Sie ersetzen Spanisch aber nicht in jedem Beruf.
Wer sich ausschließlich auf deutschsprachige Arbeitgeber oder Kunden beschränkt, verkleinert seinen möglichen Arbeitsmarkt erheblich.
Spanischkenntnisse helfen außerdem bei Arbeitsverträgen, Gesprächen mit Behörden und im Kontakt mit der Seguridad Social.
Die Grundlagen zu Arbeitsvertrag, Sozialversicherung, Lohnabrechnung, Arbeitszeit und Kündigung behandeln wir ausführlich in unserem Ratgeber zum Arbeiten in Spanien.
Selbstständig auf den Kanaren: Autónomo und IGIC beachten
Wer sein eigenes Unternehmen betreiben oder als Selbstständiger arbeiten möchte, muss sich mit dem spanischen Autónomo-System beschäftigen.
Dazu gehören unter anderem die steuerliche Anmeldung und die Registrierung bei der Seguridad Social.
Auf den Kanaren kommt eine wichtige Besonderheit hinzu.
Auf den Kanaren gilt IGIC statt IVA
Während auf dem spanischen Festland und den Balearen grundsätzlich IVA erhoben wird, gilt auf den Kanaren das IGIC-System.
Der allgemeine IGIC-Satz beträgt 7 Prozent. Daneben existieren weitere Steuersätze und Befreiungen.
Das bedeutet nicht, dass Waren und Dienstleistungen automatisch entsprechend billiger sind. Für Selbstständige und Unternehmen ist der Unterschied aber steuerlich sehr wichtig.
Wer auf den Kanaren eine selbstständige Tätigkeit beginnt, sollte deshalb nicht einfach einen Steuerleitfaden für das spanische Festland übernehmen.
Wir würden eine solche Anmeldung heute nur mit einer guten Gestoría beziehungsweise einem Steuerberater durchführen und die eigenen Meldungen anschließend trotzdem regelmäßig kontrollieren.
Welche Formalitäten benötigen EU-Bürger?
Deutsche und andere EU-Bürger können grundsätzlich ohne Visum nach Spanien und damit auch auf die Kanaren ziehen.
Das bedeutet aber nicht, dass nach der Ankunft keine Formalitäten notwendig wären.
Welche Schritte erforderlich sind, hängt unter anderem davon ab, wie lange man bleibt und ob man arbeitet, selbstständig ist, Rentner ist oder aus anderen Gründen über ausreichende Mittel verfügt.
Die NIE ist eine wichtige Identifikationsnummer
Die NIE – Número de Identidad de Extranjero – begegnet Auswanderern bei zahlreichen Vorgängen.
Sie kann beispielsweise bei Verträgen, Immobiliengeschäften, Bankangelegenheiten und Behördengängen benötigt werden.
Eine NIE allein ist allerdings keine Aufenthaltsgenehmigung und auch kein Nachweis dafür, dass jemand ordnungsgemäß als EU-Bürger in Spanien registriert ist.
Empadronamiento bei der Gemeinde
Wer dauerhaft in einer spanischen Gemeinde lebt, sollte sich mit dem Padrón municipal beziehungsweise dem Empadronamiento beschäftigen.
Dabei handelt es sich um die Anmeldung bei der Gemeinde am tatsächlichen Wohnort.
Der Padrón spielt im Alltag bei verschiedenen Verwaltungsverfahren eine Rolle.
EU-Registrierung bei längerem Aufenthalt
EU-Bürger, die länger als drei Monate in Spanien leben, müssen unter den gesetzlichen Voraussetzungen die entsprechende Registrierung als EU-Bürger vornehmen.
Das bekannte grüne Certificado de Registro enthält unter anderem die NIE.
Welche Nachweise erforderlich sind, hängt von der persönlichen Situation ab – beispielsweise Arbeitnehmer, Selbstständiger oder wirtschaftlich nicht aktive Person.
NIE, Empadronamiento und EU-Registrierung sind drei unterschiedliche Dinge. Gerade diese Begriffe werden von Neuankömmlingen häufig miteinander verwechselt.
Krankenversicherung und Gesundheitsversorgung
Vor einem dauerhaften Umzug sollte geklärt werden, wie die Krankenversicherung in Spanien funktioniert.
Welche Lösung richtig ist, hängt von der persönlichen Situation ab.
Arbeitnehmer und Selbstständige können über das spanische Sozialversicherungssystem Zugang zum öffentlichen Gesundheitssystem erhalten. Für Rentner aus einem anderen EU-Land kann unter bestimmten Voraussetzungen das S1-Verfahren eine wichtige Rolle spielen.
Andere Personen müssen gegebenenfalls einen anderen Versicherungsnachweis erbringen.
Deshalb sollte man nicht erst nach dem Umzug feststellen, dass der erwartete Versicherungsschutz nicht vorhanden ist.
Centro de Salud und Tarjeta Sanitaria
Wer Anspruch auf das öffentliche Gesundheitssystem hat und die notwendigen Voraussetzungen erfüllt, erhält Zugang zum zuständigen Gesundheitszentrum und kann die entsprechende Gesundheitskarte beantragen.
Auf den Kanaren ist das der Servicio Canario de la Salud.
Die Details zur Krankenversicherung, zum S1-Formular und zur Tarjeta Sanitaria behandeln wir in unseren eigenen Gesundheitsratgebern.
Bankkonto und digitale Verwaltung
Ein spanisches Bankkonto ist nicht in jeder denkbaren Situation gesetzlich zwingend notwendig, erleichtert den Alltag aber erheblich.
Miete, Strom, Telefon, Versicherungen, Steuern und andere Zahlungen werden häufig per Lastschrift abgewickelt.
Wir würden Banken und konkrete Kontomodelle vergleichen, statt automatisch die nächstgelegene Filiale zu wählen.
Cl@ve und digitales Zertifikat werden immer wichtiger
Viele spanische Verwaltungsverfahren können inzwischen online erledigt werden.
Dafür spielen insbesondere Cl@ve und das digitale Zertifikat eine wichtige Rolle.
Wer dauerhaft in Spanien lebt, sollte sich deshalb frühzeitig mit der digitalen Verwaltung beschäftigen.
Das erspart später unter Umständen zahlreiche persönliche Behördentermine.
Internet auf den Kanaren: Fibra ist weit verbreitet
Für Homeoffice, Selbstständige und digitale Unternehmen ist die Internetversorgung ein wichtiger Faktor bei der Wahl des Wohnortes.
Spanien verfügt über eine sehr hohe Glasfaserabdeckung. Auch auf den Kanaren erleben wir Fibra an erstaunlich vielen Orten.
Schnelle Festnetzanschlüsse sind keineswegs nur in Santa Cruz, Las Palmas oder den großen touristischen Zentren verfügbar.
Verfügbarkeit immer für die konkrete Adresse prüfen
Eine gute allgemeine Abdeckung garantiert allerdings nicht, dass jedes einzelne Gebäude angeschlossen ist.
Wer beruflich auf schnelles Internet angewiesen ist, sollte deshalb vor Unterzeichnung eines Miet- oder Kaufvertrags die konkrete Adresse bei mehreren Anbietern prüfen.
Das gilt besonders für abgelegene Häuser oder Grundstücke.
Mobiles Internet kann stärker schwanken
Bei mobilem Internet haben wir auf Teneriffa deutliche Schwankungen erlebt.
Bei eigenen Messungen mit DIGI erreichten wir beispielsweise mittags ungefähr 30 Mbit/s im Download und abends zeitweise nur etwa 8 Mbit/s.
Das ist keine allgemeine Aussage über DIGI oder die Mobilfunkversorgung auf Teneriffa. Geschwindigkeit hängt von Standort, Funkzelle, Auslastung, Gebäude und Endgerät ab.
Wer auf eine stabile Verbindung angewiesen ist, sollte deshalb einen verfügbaren Fibra-Anschluss prüfen und Mobilfunk eher als Ergänzung oder Backup betrachten.
Strom und laufende Kosten nicht unterschätzen
Auch Strom ist für uns deutlich teurer geworden.
Bei einer kleinen Studiowohnung zahlten wir vor ungefähr fünf Jahren bei vergleichbarem Verbrauch etwa 25 Euro monatlich. Heute liegen wir eher bei 55 bis 65 Euro.
Auch das ist eine persönliche Erfahrung und kein kanarischer Durchschnittswert.
Wir würden deshalb Stromanbieter und Tarif regelmäßig vergleichen und nicht automatisch davon ausgehen, dass der bestehende Vertrag weiterhin günstig ist.
Braucht man auf den Kanaren ein Auto?
Das hängt sehr stark vom Wohnort und persönlichen Alltag ab.
Wer zentral wohnt und seine wichtigsten Ziele mit Bus oder zu Fuß erreicht, kann unter Umständen gut ohne eigenes Auto auskommen.
Wer dagegen in einem kleineren Ort, in den Bergen oder außerhalb der großen Zentren lebt, wird mit einem Auto häufig deutlich flexibler.
Das sollte bereits bei der Wohnungssuche berücksichtigt werden.
Eine vermeintlich günstige Wohnung weit außerhalb kann zusätzliche Kosten für Fahrzeug, Kraftstoff, Versicherung, Wartung und ITV verursachen.
Eine Immobilie auf den Kanaren kaufen
Manche Auswanderer möchten nicht dauerhaft mieten, sondern relativ schnell eine Immobilie kaufen.
Auch hier würden wir empfehlen, den Markt zunächst kennenzulernen.
Wir selbst haben auf Teneriffa ein kleines Studio ohne Makler gekauft. Der Kaufpreis lag damals bei ungefähr 40.000 Euro. Einige Jahre später schätzen wir den Marktwert derselben Immobilie auf ungefähr 110.000 Euro.
Das ist ein persönliches Beispiel und keine allgemeine Wertentwicklung aller Immobilien auf Teneriffa.
Es zeigt allerdings, wie stark sich der Markt in bestimmten Bereichen verändert hat.
Grundstücke sind ein eigenes Thema
Besonders vorsichtig sollte man bei Grundstücken sein.
Wir haben selbst ein ungefähr 3.000 Quadratmeter großes Weinberggrundstück auf Teneriffa gekauft und dabei erlebt, wie komplex Themen wie Nutzungsart, Wasseranschluss und mögliche Bebauung werden können.
Bei suelo rústico sollte niemals allein aufgrund einer Aussage wie „da kann man bestimmt etwas hinstellen“ gekauft werden.
Planungsrecht, tatsächliche Nutzungsmöglichkeiten, Registro, Catastro und technische Voraussetzungen müssen vor dem Kauf geprüft werden.
Für Grundstücke und Immobilien haben wir deshalb separate ausführliche Ratgeber.
Die Insel kann bürokratischer sein als erwartet
Das entspannte Lebensgefühl bedeutet nicht, dass auch jede Behörde entspannt und unkompliziert arbeitet.
Spanische Verwaltung kann für Neuankömmlinge verwirrend sein.
Unterschiedliche Behörden sind für unterschiedliche Vorgänge zuständig. Termine werden teilweise online vergeben. Manche Unterlagen müssen vor einem Termin bereits vollständig vorbereitet sein.
Wer die Sprache noch nicht gut spricht, empfindet selbst einfache Verfahren schnell als kompliziert.
Genau deshalb ist es sinnvoll, Formalitäten nicht alle gleichzeitig nach dem Umzug lösen zu wollen.
Welche Reihenfolge ist nach dem Umzug sinnvoll?
Die genaue Reihenfolge hängt von der persönlichen Situation ab. Als Orientierung sollte man sich jedoch frühzeitig um folgende Bereiche kümmern:
- Wohnadresse und geeignete Unterkunft sichern,
- NIE beziehungsweise notwendige Identifikationsunterlagen klären,
- Empadronamiento bei der Gemeinde erledigen,
- EU-Registrierung bei längerem Aufenthalt organisieren,
- Krankenversicherung und Zugang zum Gesundheitssystem klären,
- Bank- und Zahlungsangelegenheiten organisieren,
- gegebenenfalls Arbeit oder Selbstständigkeit korrekt anmelden,
- digitale Zugänge wie Cl@ve beziehungsweise digitales Zertifikat einrichten,
- laufende Verträge wie Strom, Internet und Versicherungen kontrollieren.
Nicht jeder benötigt jeden Schritt zum gleichen Zeitpunkt. Deshalb sollte die Reihenfolge an die individuelle Situation angepasst werden.
Was sollte man vor der Auswanderung finanziell kalkulieren?
Wir würden nicht nur eine Monatsmiete und ein Lebensmittelbudget berechnen.
Gerade die ersten Monate können zusätzliche Kosten verursachen.
Diese Positionen gehören für uns in die Planung
- Miete und Kaution,
- gegebenenfalls Kosten für Wohnungssuche und Umzug,
- Strom und Wasser,
- Internet und Mobilfunk,
- Lebensmittel,
- Auto, Kraftstoff, Versicherung und Wartung,
- Krankenversicherung beziehungsweise Gesundheitskosten,
- Behörden- und Dokumentenkosten,
- gegebenenfalls Gestoría oder andere Fachleute,
- Rücklagen für unerwartete Ausgaben.
Wer auf den Kanaren arbeiten möchte, sollte zusätzlich bedenken, dass das lokale Lohnniveau niedriger sein kann als das bisherige Einkommen in Deutschland.
Für wen eignen sich die Kanaren besonders?
Eine Auswanderung kann besonders interessant sein für Menschen, denen Klima und Lebensqualität wichtiger sind als ein möglichst hohes lokales Einkommen.
Auch Rentner, ortsunabhängig Beschäftigte, Selbstständige und Menschen mit einem bereits gesicherten Einkommen können von den Inseln profitieren.
Das bedeutet nicht, dass die Kanaren für Arbeitnehmer ungeeignet wären. Entscheidend ist, ob Arbeitsplatz, Einkommen und Wohnkosten zusammenpassen.
Wer dagegen Großstadtleben, sehr hohe lokale Gehälter oder eine riesige Auswahl spezialisierter Arbeitgeber benötigt, sollte besonders genau prüfen, welche Insel zu den eigenen Anforderungen passt.
Für wen können die Kanaren die falsche Entscheidung sein?
So sehr wir selbst gerne hier leben: Die Inseln passen nicht zu jedem.
Problematisch kann eine Auswanderung werden, wenn jemand ohne finanzielle Rücklage ankommt, von extrem niedrigen Lebenshaltungskosten ausgeht oder erwartet, sofort einen gut bezahlten deutschsprachigen Arbeitsplatz zu finden.
Auch wer Behördengänge grundsätzlich vermeiden möchte oder keinerlei Interesse daran hat, Spanisch zu lernen, schränkt seine Möglichkeiten deutlich ein.
Hinzu kommt das Inselleben selbst.
Wer regelmäßig auf das europäische Festland muss, Familie in Deutschland häufig spontan besuchen möchte oder beruflich stark auf persönliche Kontakte außerhalb der Inseln angewiesen ist, muss Flüge, Reisezeit und zusätzliche Kosten berücksichtigen.
Unsere Erfahrung: Nicht in einer deutschen Blase bleiben
Auf Teneriffa ist es durchaus möglich, große Teile des Alltags auf Deutsch zu organisieren.
Es gibt deutschsprachige Ärzte, Makler, Handwerker, Berater, Restaurants und zahlreiche deutsche Residenten.
Das kann am Anfang sehr hilfreich sein.
Wir würden trotzdem davon abraten, dauerhaft ausschließlich in dieser Umgebung zu bleiben.
Ein großer Teil dessen, was wir am Leben auf den Kanaren schätzen, entsteht gerade dann, wenn wir die touristischen Zentren verlassen.
In den Dörfern, in den Bergen, in kleinen Geschäften und im Gespräch mit Kanarios lernt man die Insel auf eine andere Weise kennen.
Dafür muss das Spanisch nicht perfekt sein. Man muss nur anfangen, es zu benutzen.
Typische Fehler beim Auswandern auf die Kanaren
- die Insel nur aus dem Urlaub kennen und sofort dauerhaft umziehen,
- davon ausgehen, dass auf den Kanaren alles billig ist,
- die aktuellen Mietpreise unterschätzen,
- ohne ausreichende finanzielle Rücklage auswandern,
- lokale Gehälter mit deutschen Gehältern gleichsetzen,
- NIE, Empadronamiento und EU-Registrierung miteinander verwechseln,
- Krankenversicherung erst nach dem Umzug klären,
- ausschließlich nach deutschsprachigen Angeboten und Dienstleistungen suchen,
- Spanisch dauerhaft vermeiden,
- eine Wohnung auswählen, ohne Verkehr, Internet und laufende Kosten zu prüfen,
- bei Immobilien oder Grundstücken allein auf mündliche Aussagen vertrauen,
- das Leben in einem touristischen Zentrum mit dem Leben auf der gesamten Insel gleichsetzen.
Checkliste vor dem Umzug auf die Kanaren
- passende Insel und Region auswählen,
- Wohnort möglichst vorher länger testen,
- realistisches monatliches Budget erstellen,
- finanzielle Reserve einplanen,
- Arbeitsplatz oder Einkommensquelle klären,
- Krankenversicherung prüfen,
- notwendige Dokumente zusammenstellen,
- NIE und Aufenthaltsformalitäten planen,
- Wohnungsmarkt frühzeitig beobachten,
- Fibra-Verfügbarkeit an möglichen Wohnadressen prüfen,
- Mobilität und gegebenenfalls Auto einplanen,
- erste Spanischkenntnisse aufbauen,
- wichtige Originaldokumente und digitale Kopien mitnehmen.
Hilfe beim Auswandern auf die Kanaren
Viele Dinge kann man bei einer Auswanderung selbst erledigen.
Die Schwierigkeit besteht häufig nicht darin, dass ein einzelner Vorgang besonders kompliziert wäre. Problematisch wird vielmehr die Kombination aus verschiedenen Behörden, Terminen, Formularen, Sprache und der Frage, welcher Ansprechpartner überhaupt zuständig ist.
SpanienHelfer kann bei der praktischen Organisation unterstützen.
Dazu können je nach Situation die Vorbereitung von Behördengängen, Begleitung zu Terminen, Unterstützung bei An- und Ummeldungen, Arztbegleitung, Bankangelegenheiten, Fahrzeugthemen, Wohnung und Umzug sowie die Suche nach geeigneten Fachleuten gehören.
Wir ersetzen dabei keinen Rechtsanwalt, Steuerberater, Arzt oder anderen reglementierten Spezialisten.
Unser Ansatz ist vielmehr: Wir kennen viele der praktischen Wege, können Abläufe organisieren und dort den passenden Spezialisten hinzuziehen, wo Fachberatung notwendig ist.
FAQ zum Auswandern auf die Kanaren
Brauchen Deutsche ein Visum für die Kanaren?
Nein. Die Kanaren gehören zu Spanien und damit zur Europäischen Union. Deutsche und andere EU-Bürger benötigen für die Einreise kein Visum. Bei einem dauerhaften beziehungsweise längeren Aufenthalt müssen jedoch die entsprechenden spanischen Registrierungs- und Aufenthaltsformalitäten beachtet werden.
Brauche ich eine NIE?
Für zahlreiche wirtschaftliche, vertragliche und behördliche Vorgänge wird eine NIE benötigt. Sie ist eine Identifikationsnummer für Ausländer. Die NIE allein ist jedoch weder eine Aufenthaltsgenehmigung noch gleichbedeutend mit der EU-Registrierung.
Muss ich mich auf den Kanaren anmelden?
Wer dauerhaft in einer Gemeinde lebt, sollte das Empadronamiento beim zuständigen Ayuntamiento beachten. Für EU-Bürger, die länger als drei Monate in Spanien leben, bestehen außerdem unter den gesetzlichen Voraussetzungen Registrierungspflichten als EU-Bürger.
Sind die Kanaren günstiger als Deutschland?
Nicht grundsätzlich. Einige Dienstleistungen und Restaurantbesuche erleben wir günstiger, während Lebensmittel teilweise ein ähnliches Preisniveau erreichen können. Besonders die Wohnkosten sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.
Wie teuer ist ein Kaffee auf Teneriffa?
Nach unserer Erfahrung bekommen wir einen Cortado je nach Lokal noch für ungefähr 1 bis 1,20 Euro. Das ist ein persönliches Preisbeispiel und kein einheitlicher Preis für Teneriffa. In touristischen Spitzenlagen können die Preise höher sein.
Kann man auf den Kanaren Arbeit finden?
Ja, grundsätzlich gibt es einen funktionierenden Arbeitsmarkt. Die Chancen hängen stark von Beruf, Insel, Qualifikation und Sprachkenntnissen ab. Wichtig ist, dass das durchschnittliche Lohnniveau auf den Kanaren vergleichsweise niedrig ist und deshalb immer gemeinsam mit den Wohnkosten betrachtet werden sollte.
Kommt man auf Teneriffa mit Deutsch zurecht?
In touristischen Regionen erstaunlich häufig. Für ein dauerhaftes Leben empfehlen wir trotzdem Spanisch. Besonders in kleineren Orten und außerhalb touristischer Gebiete erweitert die Sprache die Möglichkeiten erheblich.
Ist Teneriffa sicher?
Wir persönlich fühlen uns auf Teneriffa auch abends sehr sicher und erleben im Alltag wenig offene Straßenkriminalität. Das ist unsere persönliche Wahrnehmung. Die offiziellen Gesamtkriminalitätsdaten erlauben keine pauschale Aussage, dass die Kanaren statistisch grundsätzlich sicherer als andere Regionen seien.
Ist schnelles Internet auf den Kanaren verfügbar?
Ja, Glasfaser ist weit verbreitet. Wir erleben Fibra auch außerhalb der großen Zentren an vielen Orten. Vor einer Wohnungsentscheidung sollte die Verfügbarkeit trotzdem immer für die konkrete Adresse geprüft werden.
Gilt auf den Kanaren IVA?
Auf den Kanaren gilt grundsätzlich nicht das IVA-System des spanischen Festlands, sondern IGIC. Der allgemeine IGIC-Satz beträgt 7 Prozent. Für bestimmte Waren und Dienstleistungen gelten andere Sätze oder Befreiungen.
Welche Insel ist für Auswanderer am besten?
Das hängt von der persönlichen Situation ab. Arbeitsplatz, Wohnbudget, medizinische Versorgung, gewünschtes Klima, Verkehrsanbindung und Lebensstil sind wichtiger als eine pauschale Rangliste der Inseln.
Sollte man vor dem Umzug erst einige Monate auf den Kanaren leben?
Wenn es finanziell und organisatorisch möglich ist, halten wir das für sehr sinnvoll. Urlaub und dauerhaftes Leben sind zwei unterschiedliche Dinge. Ein längerer Probeaufenthalt hilft dabei, Wohnort, Klima, Kosten und Alltag realistischer einzuschätzen.
Fazit: Wir würden die Kanaren nicht wegen niedriger Preise wählen
Wer heute auf die Kanaren auswandert, sollte nicht mit der Vorstellung kommen, hier sei alles billig.
Die Mieten sind stark gestiegen. Lebensmittel sind nicht automatisch günstiger als in Deutschland. Das lokale Lohnniveau liegt vergleichsweise niedrig und auch Strom und andere laufende Kosten sollten realistisch kalkuliert werden.
Trotzdem leben wir gerne hier.
Die Gründe dafür lassen sich nicht vollständig in einer Kostenaufstellung erfassen.
Das Wetter ermöglicht einen anderen Alltag. Wir fühlen uns persönlich sehr sicher. Ein Cortado für ungefähr einen Euro oder ein günstiges Essen in einem kleinen Ort gehören weiterhin zu den angenehmen Seiten des Lebens.
Vor allem aber haben wir die Kanarios als tolle Menschen kennengelernt.
Wer Spanisch lernt, die touristischen Zentren verlässt und auch einmal in die Dörfer und Bergregionen fährt, erlebt eine Seite der Inseln, die ein Urlaub kaum zeigen kann.
Eine Auswanderung auf die Kanaren sollte deshalb weder eine Flucht vor Deutschland noch die Suche nach einem möglichst billigen Leben sein.
Sie funktioniert am besten, wenn Einkommen, Wohnung, Krankenversicherung und Formalitäten vorher realistisch geplant sind – und wenn man anschließend bereit ist, sich tatsächlich auf das Leben auf den Inseln einzulassen.