Wer in Spanien lebt und Anspruch auf die öffentliche Gesundheitsversorgung hat, benötigt für den Alltag normalerweise eine Tarjeta Sanitaria. Sie ist die persönliche Gesundheitskarte, mit der man innerhalb des zuständigen regionalen Gesundheitssystems identifiziert wird.
Die Tarjeta Sanitaria wird beispielsweise beim Centro de Salud, bei Arztterminen, bei Behandlungen und im Zusammenhang mit elektronischen Rezepten verwendet.
Für Auswanderer ist dabei eine Unterscheidung besonders wichtig:
Eine NIE allein verschafft keinen Anspruch auf die öffentliche Gesundheitsversorgung. Und auch die Tarjeta Sanitaria selbst begründet diesen Anspruch nicht.
Zuerst muss geklärt sein, dass ein Anspruch auf öffentliche Gesundheitsversorgung besteht. Danach kann die Registrierung beim regionalen Gesundheitsdienst und die Ausstellung der Gesundheitskarte erfolgen.
Wie das praktisch funktioniert, unterscheidet sich teilweise zwischen den autonomen Gemeinschaften. In diesem Ratgeber erklären wir deshalb sowohl den grundsätzlichen Ablauf als auch die Verfahren auf den Kanarischen Inseln und in Andalusien.
Was ist die Tarjeta Sanitaria?
Die Tarjeta Sanitaria Individual, häufig mit TSI abgekürzt, ist die persönliche Gesundheitskarte innerhalb des öffentlichen spanischen Gesundheitssystems.
Sie dient dazu, eine Person im Gesundheitssystem zu identifizieren und den Zugang zu den zuständigen Einrichtungen und Leistungen zu erleichtern.
Da die praktische Gesundheitsversorgung in Spanien zu einem großen Teil von den autonomen Gemeinschaften organisiert wird, gibt es regionale Gesundheitskarten und regionale Gesundheitsdienste.
Auf den Kanarischen Inseln ist dies der Servicio Canario de la Salud (SCS). In Andalusien ist der Servicio Andaluz de Salud (SAS) für die öffentliche Gesundheitsversorgung zuständig.
Die grundsätzliche Funktion der Gesundheitskarte ist vergleichbar, Antrag, digitale Angebote und einzelne Verwaltungsabläufe können sich regional jedoch unterscheiden.
Wer kann eine Tarjeta Sanitaria bekommen?
Entscheidend ist zunächst nicht der Besitz einer NIE, sondern der anerkannte Anspruch auf öffentliche Gesundheitsversorgung in Spanien.
Ein solcher Anspruch kann beispielsweise aufgrund einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung, einer selbstständigen Tätigkeit oder einer anderen sozialversicherungsrechtlichen Grundlage bestehen.
Bei bestimmten Personen, die in einem anderen europäischen Staat versichert bleiben, kann der Zugang über ein zuvor in Spanien registriertes S1 entstehen.
Welche Grundlage im Einzelfall gilt, hängt von der persönlichen Situation ab.
Wer beispielsweise als Arbeitnehmer oder Selbstständiger in Spanien sozialversichert ist, befindet sich in einer anderen Ausgangslage als ein deutscher Rentner, dessen Krankenversicherung weiterhin über Deutschland läuft und dessen Anspruch über ein S1 in Spanien registriert wird.
Die Tarjeta Sanitaria steht deshalb nicht am Anfang dieses Prozesses. Sie folgt auf einen bereits bestehenden beziehungsweise anerkannten Anspruch auf Gesundheitsversorgung.
NIE, Krankenversicherung und Tarjeta Sanitaria sind nicht dasselbe
Gerade nach dem Umzug nach Spanien werden verschiedene Dokumente häufig miteinander verwechselt.
Die NIE ist die Identifikationsnummer für Ausländer. Sie wird in zahlreichen Verwaltungs-, Steuer- und Rechtsangelegenheiten verwendet.
Die NIE ist aber keine Krankenversicherung.
Das S1 wiederum ist ein europäisches Dokument, mit dem unter bestimmten Voraussetzungen ein Anspruch auf Gesundheitsversorgung im Wohnstaat registriert werden kann, obwohl ein anderer Staat für die Absicherung zuständig bleibt.
Die Tarjeta Sanitaria ist schließlich die Gesundheitskarte, die im Alltag innerhalb des öffentlichen spanischen Gesundheitssystems verwendet wird.
Vereinfacht kann der Ablauf daher beispielsweise so aussehen:
Anspruch auf Gesundheitsversorgung → Registrierung im System → zuständiger regionaler Gesundheitsdienst → Tarjeta Sanitaria → Centro de Salud und medizinische Versorgung.
Bei einem Rentner mit einem ausländischen S1 kommt vor der regionalen Gesundheitskarte zunächst die Registrierung des S1 beim spanischen INSS hinzu.
Wie beantragt man die Tarjeta Sanitaria?
Die praktische Beantragung erfolgt über den zuständigen regionalen Gesundheitsdienst.
Häufig ist das Centro de Salud beziehungsweise Centro de Atención Primaria am Wohnort die wichtigste Anlaufstelle.
Dort wird geprüft, ob die Person im System geführt wird und die Voraussetzungen für die Aufnahme in die regionale Gesundheitsversorgung erfüllt sind.
Welche Dokumente vorgelegt werden müssen, hängt sowohl von der autonomen Gemeinschaft als auch von der persönlichen Situation ab.
Deshalb sollte man nicht davon ausgehen, dass überall in Spanien exakt dieselben Unterlagen verlangt werden.
Welche Unterlagen werden benötigt?
Typischerweise spielen bei der Registrierung Identitäts- und Versicherungsdaten eine wichtige Rolle.
Je nach Region und persönlicher Situation können beispielsweise relevant sein:
- NIE beziehungsweise ein gültiges Identitätsdokument,
- Nachweis über den anerkannten Anspruch auf öffentliche Gesundheitsversorgung,
- Registrierungs- oder Sozialversicherungsdaten,
- bei einem Anspruch aus einem anderen Staat die vorherige Registrierung des entsprechenden Dokuments, beispielsweise S1,
- Nachweis des Wohnsitzes beziehungsweise Empadronamiento und
- weitere Unterlagen, wenn der Anspruch von einer anderen Person oder einer besonderen Versicherungssituation abgeleitet wird.
Welche Dokumente tatsächlich benötigt werden, sollte vor dem Termin anhand der aktuellen Angaben des zuständigen regionalen Gesundheitsdienstes geprüft werden.
Tarjeta Sanitaria auf den Kanarischen Inseln
Auf den Kanarischen Inseln wird die öffentliche Gesundheitsversorgung vom Servicio Canario de la Salud (SCS) organisiert.
Wer einen anerkannten Anspruch auf öffentliche Gesundheitsversorgung hat und noch keine Tarjeta Sanitaria besitzt, kann sich an das zuständige Centro de Salud wenden.
Dort können die vorhandenen Daten und der Versicherungsstatus geprüft und die Aufnahme beziehungsweise Ausstellung der Gesundheitskarte veranlasst werden.
Für jemanden, der neu auf Teneriffa, Gran Canaria, Lanzarote, Fuerteventura oder einer anderen Kanareninsel lebt, ist das Centro de Salud am Wohnort daher eine der wichtigsten Anlaufstellen für die praktische Einbindung in das öffentliche Gesundheitssystem.
Unsere Erfahrung mit der Tarjeta Sanitaria auf den Kanaren
Nach unserer eigenen Erfahrung war die Beantragung auf den Kanaren unkompliziert, nachdem der Anspruch auf die öffentliche Gesundheitsversorgung bereits im System hinterlegt war.
Wir sind zum zuständigen Centro de Salud gegangen und haben dort die NIE angegeben beziehungsweise uns damit identifiziert. Die Mitarbeiter konnten anhand der vorhandenen Daten feststellen, dass die Anmeldung beziehungsweise der Anspruch im System bereits vorhanden war.
Danach konnte die Tarjeta Sanitaria über das Centro de Salud beantragt werden.
Bei uns dauerte es anschließend ungefähr vier Wochen, bis die physische Gesundheitskarte verfügbar war.
Das ist unsere persönliche Erfahrung und keine allgemein garantierte Bearbeitungsfrist des Servicio Canario de la Salud. Die tatsächliche Dauer kann abweichen.
Kann man schon vor Erhalt der Karte zum Arzt?
Nach unserer Erfahrung mussten wir nicht auf die physische Plastikkarte warten, um medizinische Leistungen in Anspruch nehmen zu können.
Entscheidend war, dass der Anspruch auf die öffentliche Gesundheitsversorgung beziehungsweise die entsprechende Registrierung bereits im System vorhanden war.
Das ist ein wichtiger Unterschied:
Der Versicherungs- beziehungsweise Leistungsanspruch entsteht nicht erst dadurch, dass die Plastikkarte im Briefkasten liegt oder ausgehändigt wird.
Wer seine Karte noch nicht erhalten hat und medizinische Versorgung benötigt, sollte deshalb beim zuständigen Centro de Salud klären, ob die Registrierung bereits vollständig im System hinterlegt ist und wie die Identifikation bis zum Erhalt der Karte erfolgt.
Spanisch im Centro de Salud
Ein weiterer praktischer Punkt ist die Sprache.
Unsere Erfahrung auf den Kanaren ist, dass die Kommunikation im öffentlichen Centro de Salud auf Spanisch erfolgt.
Auf eine deutschsprachige Betreuung sollte man sich dort nicht verlassen.
Das betrifft nicht nur die Beantragung der Gesundheitskarte, sondern später auch die Kommunikation mit Ärzten, Pflegepersonal und Verwaltung.
Wer nicht ausreichend Spanisch spricht, sollte insbesondere bei wichtigen medizinischen Gesprächen möglichst eine Person mitnehmen, die zuverlässig übersetzen kann.
Tarjeta Sanitaria in Andalusien
In Andalusien wird die öffentliche Gesundheitsversorgung vom Servicio Andaluz de Salud (SAS) organisiert.
Für die erstmalige Ausstellung der Tarjeta Sanitaria ist grundsätzlich das zuständige Centro de Atención Primaria eine wichtige Anlaufstelle.
Der SAS nennt für die Ausstellung unter anderem den anerkannten Anspruch auf öffentliche Gesundheitsversorgung und die Aufnahme in das entsprechende Gesundheitssystem.
Bei ausländischen Einwohnern spielt außerdem die Identifikation über die NIE eine Rolle. Für die Zuordnung zum zuständigen Gesundheitszentrum ist auch der Wohnort relevant.
Anders als man vielleicht erwarten würde, sollte man deshalb nicht einfach irgendein Centro de Salud auswählen. Die Zuordnung orientiert sich grundsätzlich am Wohnort und der regionalen Gesundheitsorganisation.
Empadronamiento in Andalusien
Bei der erstmaligen Registrierung kann in Andalusien außerdem der Nachweis des Wohnsitzes über das Empadronamiento erforderlich sein.
Das Empadronamiento ist die Anmeldung im kommunalen Melderegister der Gemeinde.
Gerade bei einem frischen Umzug nach Spanien zeigt sich hier, warum verschiedene Behördengänge aufeinander aufbauen: Identifikation, Aufenthalts- und Wohnsitzregistrierung, Sozialversicherung beziehungsweise Gesundheitsanspruch und die Anmeldung beim regionalen Gesundheitsdienst sind unterschiedliche Vorgänge.
Deshalb lohnt es sich, diese Schritte nicht miteinander zu verwechseln.
Centro de Salud und Hausarzt in Andalusien
Im Rahmen der Registrierung wird die Person dem zuständigen Bereich der Primärversorgung zugeordnet. Dazu gehören das Centro de Salud beziehungsweise Centro de Atención Primaria und die hausärztliche Versorgung.
Damit wird die Tarjeta Sanitaria praktisch zum Schlüssel für die weitere Nutzung des öffentlichen regionalen Gesundheitssystems.
Was kann man mit der Tarjeta Sanitaria machen?
Die Tarjeta Sanitaria dient vor allem der eindeutigen Identifikation innerhalb des öffentlichen Gesundheitssystems.
Sie wird unter anderem im Zusammenhang mit folgenden Leistungen und Vorgängen verwendet:
- Besuchen im Centro de Salud,
- hausärztlicher Versorgung,
- fachärztlicher Weiterbehandlung innerhalb des öffentlichen Systems,
- Krankenhausbehandlungen,
- diagnostischen Untersuchungen,
- elektronischen Rezepten und Medikamenten sowie
- digitalen Gesundheitsdiensten der jeweiligen autonomen Gemeinschaft.
Welche Leistungen konkret übernommen werden und welche Zugangswege gelten, richtet sich jedoch nicht nach der Karte selbst, sondern nach dem spanischen Gesundheitssystem und der jeweiligen persönlichen Anspruchssituation.
Tarjeta Sanitaria und Medikamente
Die Gesundheitskarte spielt auch bei verschreibungspflichtigen Medikamenten eine wichtige Rolle.
Im öffentlichen System werden Verordnungen zunehmend elektronisch verwaltet. Dadurch können verschriebene Medikamente im System hinterlegt und über die Apotheke abgerufen werden.
Die Tarjeta Sanitaria dient dabei der Identifikation des Patienten und der Zuordnung der entsprechenden Verordnungen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass jedes Medikament kostenlos ist.
Für Arzneimittel gelten in Spanien Regelungen über Eigenbeteiligungen, die unter anderem von der persönlichen Situation abhängen können.
Auch können sich Handelsnamen und verfügbare Präparate von Deutschland unterscheiden. Wer regelmäßig Medikamente benötigt, sollte deshalb Wirkstoff, Dosierung und bisherige Verordnung kennen und wichtige medizinische Unterlagen beim Umzug mitnehmen.
Digitale Gesundheitskarte und Gesundheitsdienste
Neben der physischen Gesundheitskarte gewinnen die digitalen Angebote der autonomen Gemeinschaften zunehmend an Bedeutung.
miSCS auf den Kanaren
Der Servicio Canario de la Salud bietet mit miSCS verschiedene digitale Gesundheitsdienste an.
Dazu gehören unter anderem Funktionen rund um Termine in der Atención Primaria. Je nach verwendeter Identifikationsmethode können außerdem weitere persönliche Gesundheitsinformationen und Dokumente verfügbar sein.
Für den Zugriff auf besonders geschützte Gesundheitsdaten kann eine stärkere digitale Identifikation erforderlich sein.
ClicSalud+ und Salud Andalucía
In Andalusien stehen mit ClicSalud+ und Salud Andalucía digitale Angebote des öffentlichen Gesundheitssystems zur Verfügung.
Darüber können je nach Funktion beispielsweise Termine, Gesundheitsinformationen und verschiedene Verwaltungsangelegenheiten bearbeitet werden.
Auch eine virtuelle Gesundheitskarte kann die physische Karte in bestimmten Situationen ergänzen.
Da digitale Dienste weiterentwickelt werden, sollte man für aktuelle Funktionen und Zugangsvoraussetzungen immer die offiziellen Angebote des jeweiligen regionalen Gesundheitsdienstes prüfen.
Tarjeta Sanitaria, S1 und EHIC: die Unterschiede
Diese drei Begriffe werden von Auswanderern häufig miteinander verwechselt.
Tarjeta Sanitaria: Die persönliche Gesundheitskarte für die Nutzung des zuständigen öffentlichen Gesundheitssystems in Spanien.
S1: Ein europäisches Dokument zur Registrierung eines Anspruchs auf Gesundheitsversorgung im Wohnstaat, wenn unter bestimmten Voraussetzungen ein anderer Staat für die Absicherung zuständig bleibt.
EHIC: Die Europäische Krankenversicherungskarte für medizinisch notwendige Versorgung während eines vorübergehenden Aufenthalts in einem anderen teilnehmenden Staat.
Ein deutscher Rentner kann beispielsweise zunächst ein S1 von seiner zuständigen deutschen Krankenkasse erhalten, dieses beim spanischen INSS registrieren und anschließend die Aufnahme in den regionalen Gesundheitsdienst und die Tarjeta Sanitaria organisieren.
Ein Arbeitnehmer, der in Spanien sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist, kann dagegen aufgrund seiner spanischen Sozialversicherung bereits einen eigenen Anspruch auf öffentliche Gesundheitsversorgung haben.
Der Weg zur Tarjeta Sanitaria hängt deshalb immer von der individuellen Ausgangssituation ab.
Typische Fehler bei der Tarjeta Sanitaria
NIE mit Krankenversicherung verwechseln: Eine NIE dient der Identifikation. Sie allein begründet keinen Anspruch auf öffentliche Gesundheitsversorgung.
Einfach zum Centro de Salud gehen, obwohl der Anspruch noch nicht geklärt ist: Das Centro de Salud kann vorhandene Daten prüfen, ersetzt aber nicht die vorher erforderliche sozialversicherungsrechtliche Klärung.
S1 und Tarjeta Sanitaria gleichsetzen: Das S1 und die regionale Gesundheitskarte erfüllen unterschiedliche Aufgaben.
Auf die Plastikkarte warten und deshalb notwendige Versorgung aufschieben: Wenn der Anspruch bereits anerkannt und die Registrierung im System vorhanden ist, sollte beim Centro de Salud geklärt werden, wie medizinische Leistungen bereits vor Erhalt der physischen Karte genutzt werden können.
Von überall identischen Unterlagen ausgehen: Spanien hat ein nationales Gesundheitssystem mit stark regional organisierter praktischer Versorgung. Verwaltungsabläufe können sich zwischen den autonomen Gemeinschaften unterscheiden.
Mit deutschsprachiger Betreuung rechnen: Im öffentlichen Gesundheitssystem sollte man grundsätzlich darauf vorbereitet sein, auf Spanisch zu kommunizieren.
FAQ zur Tarjeta Sanitaria in Spanien
Ist die Tarjeta Sanitaria eine Krankenversicherung?
Nein. Die Tarjeta Sanitaria ist eine Gesundheitskarte. Der zugrunde liegende Anspruch auf öffentliche Gesundheitsversorgung muss bereits bestehen beziehungsweise anerkannt sein.
Reicht eine NIE für die Tarjeta Sanitaria?
Nein. Die NIE ist eine Identifikationsnummer und allein kein Nachweis eines Anspruchs auf öffentliche Gesundheitsversorgung.
Wo beantrage ich die Tarjeta Sanitaria?
Die Beantragung erfolgt über den zuständigen regionalen Gesundheitsdienst. Auf den Kanaren ist das Centro de Salud am Wohnort eine zentrale Anlaufstelle. In Andalusien erfolgt die erstmalige Beantragung beziehungsweise Registrierung über die Strukturen der Atención Primaria.
Brauche ich ein Empadronamiento?
Das hängt vom regionalen Verfahren und der persönlichen Situation ab. In Andalusien spielt der Nachweis des Wohnsitzes über das Empadronamiento bei der Zuordnung und erstmaligen Registrierung eine wichtige Rolle. Vor der Beantragung sollten deshalb die aktuellen Anforderungen des zuständigen Gesundheitsdienstes geprüft werden.
Wie lange dauert es, bis die Tarjeta Sanitaria kommt?
Eine allgemeine Bearbeitungszeit für ganz Spanien lässt sich nicht seriös angeben. Nach unserer persönlichen Erfahrung auf den Kanaren dauerte es ungefähr vier Wochen, bis die physische Karte verfügbar war. Das ist jedoch keine garantierte Frist.
Kann ich schon zum Arzt, wenn die Karte noch nicht angekommen ist?
Entscheidend ist der zugrunde liegende Anspruch auf Gesundheitsversorgung und die Registrierung im System. Nach unserer Erfahrung auf den Kanaren konnten medizinische Leistungen bereits genutzt werden, bevor die physische Karte vorlag. Im konkreten Fall sollte dies mit dem zuständigen Centro de Salud geklärt werden.
Brauche ich für die Tarjeta Sanitaria ein S1?
Nicht grundsätzlich. Das S1 ist nur für bestimmte grenzüberschreitende Versicherungssituationen erforderlich. Wer beispielsweise aufgrund einer Beschäftigung in Spanien einen eigenen Anspruch auf öffentliche Gesundheitsversorgung hat, befindet sich in einer anderen Situation.
Kann ich mit der Tarjeta Sanitaria in ganz Spanien zum Arzt?
Die Tarjeta Sanitaria gehört zum öffentlichen spanischen Gesundheitssystem, die reguläre Versorgung ist jedoch regional organisiert. Für Behandlungen außerhalb der eigenen autonomen Gemeinschaft können andere organisatorische Abläufe gelten als beim eigenen Centro de Salud. Bei einem dauerhaften Umzug in eine andere Region sollte deshalb die Registrierung beim dort zuständigen Gesundheitsdienst geklärt werden.
Was mache ich, wenn ich kein Spanisch spreche?
Im öffentlichen Gesundheitssystem sollte man nicht davon ausgehen, dass deutschsprachiges Personal verfügbar ist. Wer medizinische Gespräche auf Spanisch nicht ausreichend versteht, sollte nach Möglichkeit eine geeignete Person zum Übersetzen mitnehmen.
Checkliste: Tarjeta Sanitaria beantragen
Vor dem Gang zum Centro de Salud beziehungsweise zur zuständigen Stelle sollte man folgende Punkte prüfen:
- Besteht bereits ein anerkannter Anspruch auf öffentliche Gesundheitsversorgung?
- Ist die Anmeldung beziehungsweise der Versicherungsstatus im zuständigen System hinterlegt?
- Ist bei einem ausländischen Anspruch ein erforderliches S1 bereits beim INSS registriert?
- Sind NIE und gültige Identitätsdokumente vorhanden?
- Ist ein Empadronamiento erforderlich und vorhanden?
- Welches Centro de Salud beziehungsweise Centro de Atención Primaria ist für den Wohnort zuständig?
- Welche zusätzlichen Unterlagen verlangt der regionale Gesundheitsdienst im konkreten Fall?
Nach der Registrierung sollte außerdem geklärt werden:
- welcher Hausarzt beziehungsweise welche hausärztliche Einheit zuständig ist,
- wie Termine vereinbart werden,
- wie medizinische Versorgung bis zum Erhalt der physischen Karte genutzt werden kann und
- welche digitalen Dienste und Apps in der jeweiligen Region zur Verfügung stehen.
Hilfe bei der Tarjeta Sanitaria und dem Centro de Salud
Wer erstmals mit dem spanischen Gesundheitssystem zu tun hat, weiß häufig nicht, welches Centro de Salud zuständig ist oder welche Unterlagen für die Gesundheitskarte benötigt werden.
SpanienHelfer unterstützt gerne bei der organisatorischen Vorbereitung der Anmeldung und bei Behördengängen rund um die Tarjeta Sanitaria. Je nach Situation kann auch eine Begleitung sinnvoll sein, insbesondere wenn sprachliche oder organisatorische Schwierigkeiten bestehen.
Ob ein Anspruch auf die öffentliche Gesundheitsversorgung besteht, entscheiden die zuständigen spanischen Stellen.
Fazit: Erst der Anspruch, dann die Tarjeta Sanitaria
Die Tarjeta Sanitaria ist für Menschen, die dauerhaft in Spanien leben und das öffentliche Gesundheitssystem nutzen, eines der wichtigsten Dokumente im Alltag.
Der entscheidende Punkt ist jedoch die richtige Reihenfolge.
Die NIE allein reicht nicht aus und die Tarjeta Sanitaria schafft nicht erst den Anspruch auf Gesundheitsversorgung.
Zunächst muss geklärt sein, aufgrund welcher Grundlage der Anspruch auf öffentliche Gesundheitsversorgung besteht. Das kann beispielsweise eine Beschäftigung oder selbstständige Tätigkeit in Spanien sein. Bei bestimmten Rentnern und anderen grenzüberschreitend Versicherten kann der Weg über ein zuvor registriertes S1 führen.
Danach erfolgt die Aufnahme in den zuständigen regionalen Gesundheitsdienst und die Beantragung der Tarjeta Sanitaria.
Auf den Kanaren führt der praktische Weg häufig über das zuständige Centro de Salud. Unsere eigene Erfahrung war dort unkompliziert: Nachdem der Anspruch bereits im System vorhanden war, konnten die Mitarbeiter die Daten anhand unserer Identifikation prüfen, die Gesundheitskarte beantragen und medizinische Leistungen waren bereits vor Erhalt der physischen Karte nutzbar. Bei uns war die Karte nach ungefähr vier Wochen verfügbar.
In Andalusien läuft die praktische Versorgung über den Servicio Andaluz de Salud und die zuständige Atención Primaria. Dort sollte insbesondere auch auf die Anforderungen an Wohnsitznachweis und regionale Registrierung geachtet werden.
Wer diese Schritte auseinanderhält, vermeidet eines der häufigsten Missverständnisse nach dem Umzug: NIE, Krankenversicherungsanspruch, S1 und Tarjeta Sanitaria sind miteinander verbunden, aber sie sind nicht dasselbe.